Berichte
08.12.2008
Ein Tag im Leben eines Cheerleaders...
...Es ist 5.15 Uhr. Die Augen gehen auf und die Welt steht still. Es ist Tag der Meisterschaft und die Bewohner Sachsen-Anhalts und Niedersachsens sind alle auf den Beinen um diesen ehrwürdigen Tag zu beginnen. So kommt es uns jedenfalls vor und wie sagt man so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid!
Der Tag beginnt in Magdeburg also als die Sonne noch weit unter dem Horizont steht und während Einige gerade die Augen öffnen, sind Andere schon beim Frühstück oder unter der Dusche. Aber eines haben sie alle gemeinsam: riesige Gnubbel auf dem Kopf, die sich später zu einer wunderschönen, für Cheerleader typischen, Lockenpracht entfalten werden. Aber noch ist es dunkel und daran ist nicht zu denken.
Um 6.50 Uhr ist es endlich soweit. Wir treffen uns und fahren gemeinsam zum Austragungsort der 17. Niedersächsischen Cheerleading Meisterschaft in der Halle 39 in Hildesheim. Während es für die Meisten von uns nicht die erste Meisterschaft ist, haben sich auch Neulinge dazu gesellt und lassen sich entweder von der Euphorie der Einen oder der Müdigkeit der Anderen anstecken.
Nach 2 ½ Stunden Autofahrt mit vielen gegrölten Liedern und kleineren Spielchen sind wir endlich angekommen und es geht sofort los.
Die erste freudige Überraschung ist die eigene Angels Kabine. Nie zuvor kamen wir in den Genuss einer eigenen Kabine und wir genossen es, als wäre es auch die letzte.
10.15 Uhr Mattencheck. Wir haben 10 Minuten Zeit auszutesten, wie es sich anfühlt die Kür der vier verschiedenen Kategorien mal auf der originalen Meisterschaftsmatte durchzugehen.
Was für ein Gefühl. Man darf nur ein paar kleine Details nicht vergessen: Es ist kalt, man ist nicht richtig erwärmt(weil es kalt ist), einige von uns haben noch immer leichte Probleme ihre Augen aufzubekommen, es ist nicht die übliche Trainingszeit und wir haben auch immer noch diese lustigen Gnubbel auf dem Kopf.
Es ist also kein Wunder, dass wir nach diesen zehn Minuten die Matte nicht mit dem besten Gefühl verlassen, nachdem fast nichts so gelaufen ist, wie wir es geplant hatten.
Und jetzt beginnt der Stress. Uns bleiben ca. 7 Stunden um uns zu schminken, anzuziehen und uns um unsere Haare zu kümmern. Nebenbei bleibt natürlich noch genügend Zeit Kaffee zu trinken, Peeweeteams anzugucken und shoppen zu gehen.

Zeit ist Geld. In unserem Fall ist viel Zeit gleich weniger Geld, denn wir versuchen uns an glitzerndem Make-up und kaufen gleich zwei Farben, welche wir jetzt in unterschiedlichen Varianten austesten müssen. Nach ca. 1 Stunde sind wir zu dem Entschluss gekommen dass rotes Glitzer auf dem Lied eher nicht zu den glorreichsten Ideen unseres Teams zählt und wir entscheiden uns einen süßen kleinen Stern neben das Auge zusetzen und den Rest mit Silber abzudecken.
Ab diesem Moment waren uns die Götter gutgesinnt. Sterne für die Stars des Abends, sozusagen. Aber zu dem Zeitpunkt konnte das natürlich noch keiner wissen.
Noch 5 Stunden. Diese verbrachten wir damit, alle weiblichen Anwesenden in unserer Kabine glitzernd zu verzieren und die Gnubbel auf unserem Kopf zu öffnen und die Locken zu verfeinern. Nicht zu vergessen unseren, extra für diesen Anlass mitgebrachten, Fotografen, Stefan Deutsch. Dieser konnte seine Finger einfach nicht still halten und vertrieb sich die 7 Stunden damit, tolle Nahaufnahmen von uns zumachen. Des einen Freud ist das anderen Leid. Schnell noch ein paar neue Teamfotos vor der neuen Fahne der Angels geschossen und schon war es soweit. Von Aufwärmhalle ging es über Passcheck sofort auf die Matte.

Ungewohnt war es für uns schon, dieses Jahr mit dem Team als erstes aller Kategorien auf die Matte zu gehen. Sobald wir dort jedoch standen, uns in die richtige Position begaben und die Musik anfing zu spielen, war alles vergessen. Alles. In diesem Moment ist es dem menschlichen Körper einfach nicht vergönnt zu denken. Man ist nicht in der Lage an die Jury zu denken, an das Publikum, an die vergangenen Leiden des Trainings oder daran was man am Abend gern essen wolle. Der intelligente, bewusst denkende Mensch wurde ausgeschaltet und man tat 3 Minuten lang nur noch das, was man die letzten 4 Monate beim Training getan hatte. Von eins bis acht zählen. Nur diesmal mit einem verdammt kurzen Rock und einem von Ohr zu Ohr reichendem Lächeln.
Von außen das ganze Geschehen beobachtet zu haben, beschrieben einige der Angels später.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Nachdem wir den ganzen Tag gewartet haben, mussten wir uns jetzt fast schon beeilen. Sofort nach dem Team-Auftritt zog sich die Coed-Groupstunt um und ging in die Aufwärmhalle. Nach einem grandiosen einminütigen Auftritt der `United Angels´ blieb uns nur noch zu hüpfen, zu singen und im Kreis zu springen. Kurz darauf folgte die Allgirl-Groupstunt `The Incredible Angels´ und machte ihrem Namen alle Ehre. Nach einer einminütigen Pause ging es gleich weiter für Christina und Basti, den `Angel Wings´, als Partnerstunt auf die Matte zu gehen und ihr Können unter Beweis zu stellen. In dieser Minute wurde spätestens allen klar: Die Angels beanspruchen heute die Medaillen für sich.

Es war ein rundum gelungener Tag. Niemand verletzte sich, alles Wichtige stand und wir hatten noch immer unsere Sterne im Gesicht. Nach einer kurzen Pause, in der wir siegessicher schon mal mit dem Sektverteilen anfingen, gingen wir zur Siegerehrung. Nach fünf Jahren ist es schwer nicht eine gewisse Art von Routine in eine Meisterschaft zu bringen. Man gewöhnt sich an den Gnubbel, das frühe Aufstehen, den Mattencheck, und fast sogar schon an den Moment die Matte zu betreten. Aber die Siegerehrung ist jedes Mal ein Thema für sich. In allen Kategorien ist es natürlich eine Ehre Gold zu holen, aber fast noch wichtiger sind die Punktzahlen, um sich für die Deutsche Cheerleading Meisterschaft zu qualifizieren.

Gleich zu Anfang hieß es Daumen drücken. Es ging um die Coed-Groupstunt. Der Erste von vielen Steinen fiel uns allen vom Herzen, als feststand, es sei Gold mit genügend Punkten. Dann kam Partnerstunt und das Zittern ging wieder los. Es lief heute so hervorragend, dass wir uns schon so gut wie sicher waren es wieder geschafft zu haben. Gold und wiederum genug Punkte. Welch ein Freudentaumel. Dann die Allgirl-Groupstunt. Wir hatten uns im letzten Jahr schon mit Dieser für die Deutsche qualifiziert und dort den dritten Platz belegt. Also ging es heut um mehr. Wir mussten einen Titel verteidigen. 9 Teams und die Hoffnung, es würde für die Goldmedaille reichen. Die Messlatte, für die Deutsche Meisterschaft im März in Bremen, lag dieses Jahr schon so hoch, sodass wir uns im Grunde keine Chancen ausrechneten, diese zu schlagen. Und dann war es soweit. „auf dem zweiten Platz, mit 60 Punkten…!“ Ja das würde schon mal reichen! Aber Gold wäre natürlich noch besser! „…Royalicious!“ Ui, dass sind wir ja gar nicht! Die Freude war riesig! Zur Erleichterung Aller hieß es dann:“ …auf dem ersten Platz mit 66 Punkten, The Incredible Angels!“ Ach du liebe Güte! Wir haben die so hoch gesetzte Messlatte tatsächlich um weitere 4 Punkte geschlagen. Alle sind gesprungen und haben gefeiert. Dreimal Gold! Und dann das Team. Die letzten Jahre liefen für uns nicht sonderlich gut, aber dieser Tag sollte unser Glückstag werden. Nur knapp an einer Medaille vorbei sind wir auf dem vierten Platz gelandet! Der VIERTE Platz! Im totalen Freudentaumel hieß es wieder rauf auf die Matte, Pokal abholen und lächeln für die Kameras.

Und obwohl wir gar nicht mehr wussten wohin mit den Glückshormonen, hatten wir nur noch eines im Kopf: Essen. Also alle schnell rein ins Auto und ab ins extra für uns reservierte Restaurant. Nach der Auswertung der Meisterschaft und dem vollschlagen des Bauches, ging es ab nach hause. Die Autos wurden wieder bestückt und die lange Fahrt wurde angetreten.

Ich für meinen Teil bin um 3 Uhr morgens ins Bett gefallen. 22 Stunden auf den Beinen. 22 Stunden voll gepackt mit Cheerleading und Freudentränen. Was für ein Tag. Und das wohl Beste an allem: Es wartete ein Sonntag auf uns, an dem wir nicht zum Training mussten, sondern einfach nur unsern Erfolg feiern konnten!
FOTOS gibt es hier!